Wie ein israelisches Start-up vom Google-Glass-Scheitern lernte

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Wie ein israelisches Start-up vom Google-Glass-Scheitern lernte

Künstliche Intelligenz für die Massen? In der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin stellte der israelische Start-up-Unternehmer Ziv Aviram sein jüngstes Projekt vor: die OrCam MyEye. 350 Millionen sehbehinderten oder blinden Menschen soll das Wearable helfen, ihre Umwelt besser wahrzunehmen.

„Viele unserer Nutzer weinten, als sie die OrCam MyEye das erste Mal benutzten“, vor Freude darüber, endlich wieder etwas mehr Selbstständigkeit erlangen zu können, berichtet Aviram.

Hilfe für bis zu eine Milliarde Menschen?

Farben, Zahlen und Barcodes erkenne die kleine Sehhilfe, die der Nutzer magnetisch oder mit Clips an seiner Brille befestigen kann. Zudem kann man das Wearable in der Gesichtserkennung trainieren – und es liest Texte vor. Gesteuert wird die Kamera durch Gesten – ein Fingerzeig reicht beispielsweise, um das Gerät einen Zeitungsartikel vorlesen zu lassen. Wenn man zu den geschätzt 350 Millionen Sehbeeinträchtigten weltweit noch diejenigen dazuzähle, die zum Beispiel an Leseschwäche oder altersbedingter Müdigkeit beim Lesen leiden, ergäbe sich eine Zielgruppe von fast einer Milliarde Menschen, denen die Sehhilfe das Leben erleichtern und verbessern könnte.

Diese Verknüpfung von Erweiterter Realität (Augmented Reality) und Künstlicher Intelligenz hatte bereits Google in Form der Google Glass auf den Markt gebracht. Vor drei Jahren musste der Digital-Gigant sein Projekt jedoch stoppen: Die Kritik von Datenschützern war zu groß, denn Googles Brille sendete in Echtzeit die aufgenommenen Daten an die Unternehmensserver. Und zu leicht fühlten sich Menschen, die einem Google-Glass-Nutzer begegneten, ausgespäht.

„Keine negativen Erfahrungen in der Öffentlichkeit“

Aviram hat aus Googles Scheitern gelernt: Seine Brille funktioniert offline und benötigt nur für Updates einen Internetzugang. Zudem analysiere sie zwar live, werde jedoch erst aktiv, wenn eine Geste sie dazu auffordere. Die MyEye speichere auch keine Bilder: Wenn der Träger ihr Namen zu Gesichtern sagt, werden keine Fotos der Person gespeichert, sondern „nur“ die Gesichtsinformationen, die zur Wiedererkennung dienen. Und fühlen sich Beobachtete ausgespäht? Zehntausende Einheiten seien schon in Benutzung und Aviram wisse von „keinen negativen Erfahrungen in der Öffentlichkeit“, sagt er – vermutlich reagiere die Umgebung bei behinderten Menschen verständnisvoller.

„Unverzüglicher Return of Investment“

Interessant ist auch der Einsatz der Sehhilfe als Lesegerät in der Bildung. Der israelische Staat gebe die MyEye kostenlos an sehbeeinträchtigte Kinder, was unverzüglich zu einem „Return of Investment“ führe, so Aviram: „Man braucht keine Hilfslehrer mehr“. Durch die leicht erlernbare, intuitive Benutzung könnten sich sogar Kleinkinder, die noch nicht lesen können, eine Geschichte vorlesen lassen.

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2 Comments so far:

  1. […] (hier gibt es unseren Überblick über die letzten drei Wochen), dazu Artikel und Interviews (zum Beispiel über ein israelisches Startup, das unseren Blick, erweitern […]

  2. […] hatten wir erst vor kurzem das KI-Startup von Ziv Aviram vorgestellt: Von dessen Verknüpfung von erweiterter Realität und lernendem System sollen auch ältere […]

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