Keine Panik!

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Keine Panik!

 „Weit draußen in den unerforschten Einöden eines total aus der Mode gekommenen Ausläufers des westlichen Spiralarms der Galaxis leuchtet unbeachtet eine kleine gelbe Sonne. Um sie kreist in einer Entfernung von ungefähr achtundneunzig Millionen Meilen ein absolut unbedeutender, blaugrüner Planet, dessen vom Affen abstammenden Bioformen so erstaunlich primitiv sind, dass sie Digitaluhren noch immer für eine unwahrscheinlich tolle Erfindung halten.“  (Douglas Adams)                              

KI – Alles nur Science Fiction?

Fast 40 Jahre nach Veröffentlichung von Douglas Adams Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ begeistern wir uns schon längst nicht mehr für Digitaluhren, sondern tragen smart watches am Handgelenk. Während wir im Büro sitzen verrichten Saugroboter die Hausarbeit und auf dem Gelände der Charité fahren seit März autonome Busse Besucher und Patienten von A nach B. Man wird nicht mal schief angeguckt, wenn man in der Öffentlichkeit Sätze sagt wie „Siri, wie wird das Wetter morgen?“ oder „Alexa, bestell Toilettenpapier nach!“. Neue Technologien begeistern die Menschen, weil sie unser Leben leichter machen und weil sie Dinge ermöglichen, die vorher so nicht möglich waren. Gleichzeitig macht der Fortschritt der letzten Jahre auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz vielen Menschen Angst. Selbst Tesla-Chef und Visionär Elon Musk warnte kürzlich davor, dass smarte Roboter die Existenz des Menschen gefährden, wenn wir die Forschung auf diesem Gebiet nicht regulieren. Künstliche Intelligenz – Alles nur Science Fiction oder schon bald Teil unseres Alltags? Beim Politischen Salon Berlin diskutierten im Manstein4 Café Dr. Sven Schmeier vom Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) gemeinsam mit Frank Schmiedchen vom Beirat der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) über den Megatrend KI.

Was ist eigentlich (künstliche) Intelligenz?

Im aktuellen Koalitionsvertrag steht´s drin, im „Spiegel“ sowieso (unter der Überschrift „Sie sind entlassen! Wie uns Computer und Roboter die Arbeit wegnehmen“) und im politischen Berlin vergeht kaum ein Tag ohne Diskussionsveranstaltung zum Thema. „Jeder spricht im Moment von KI“, so lautet auch die Einschätzung von Wissenschaftler Sven Schmeier. Der Informatiker ist stellvertretender Leiter des Language Technology Lab und beschäftigt sich schon seit 1993 mit dem Thema Künstliche Intelligenz. Eigentlich ist das Thema gar nicht so neu, wie wir alle denken. Bereits in den 50er Jahren entwickelten amerikanische Wissenschaftler erste neuronale Netze. Das Deutsche Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken feiert in diesem Jahr bereits seinen 30. Geburtstag. Wieso bestimmt das Thema gerade jetzt die Schlagzeilen? „Uns stehen heute so viele Daten zur Verfügung wie nie zuvor“, erklärt Schmeier. Hinzu komme, dass moderne KI-Systeme erst jetzt in der Lage sind, die Masse an Daten einigermaßen schnell und sinnvoll zu verarbeiten. Was kann KI heute schon leisten und wie lange dauert es noch bis KI dem Menschen ebenbürtig ist? Wann kommt er denn nun, der „Angriff der Superintelligenz“? Wenn es nach Sven Schmeier geht, kann das noch dauern. Vorher müssten wir überhaupt erstmal definieren, was wir mit „Intelligenz“ meinen, fordert Schmeier. Was wir im Bereich KI grundsätzlich unterscheiden müssen, ist schwache und starke KI. Schwache KI ist in der Lage, begrenzt

e Probleme zu lösen, wie z.B. Sprache zu erkennen oder Texte zu übersetzen. Schwache KI finden wir heute schon in unseren Smartphones, Navigationsgeräten oder Spracherkennungssystemen. Starke KI kann (zumindest in der Theorie) wesentlich mehr, z.B. logisch denken, planen, lernen, Entscheidungen treffen und aus eigenem Antrieb handeln. Doch bis starke KI in unseren Alltag Einzug hält, werden seiner Einschätzung nach noch einige Jahre vergehen. „Starke KI ist mit unseren heutigen Mitteln noch nicht realisierbar“, kann Schmeier beruhigen.

Noch 20 Jahre Ruhe

Eine ähnliche Meinung vertritt auch Frank Schmiedchen von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler. „Es gibt derzeit keine starke KI“, so der Volks- und Betriebswirt beim Politischen Salon. Chatbots, digitale Sprachassistenten oder Abstandswarner im Auto sind schöne Spielerein, stellen aber höchstens eine „simulierte Intelligenz“ dar, denn es ihnen fehlt die Fähigkeit des vorausschauenden Denkens. Bisher seien überhaupt nur wenige Programmierer in der Lage, starke KI zu programmieren, so seine Einschätzung. „Wir müssen nicht in Panik verfallen“, lautet sein Fazit. Douglas Adams lag also mit seiner Handlungsempfehlung in „Per Anhalter durch die Galaxis“ gar nicht so falsch! Laut Schätzungen von Experten brauchen wir sogar noch mindestens bis zum Jahr 2040, bis starke KI Realität wird. Angst, superintelligente Roboter werden wie in „Terminator“ Tages die Welt beherrschen, hat Frank Schmiedchen keine: „Letztlich handelt sich auch bei einer KI am Ende nur um eine doofe Maschine“. Auf die lange Bank schieben sollten wir das Thema KI jedoch nicht, warnt Schmiedchen. „Wir müssen uns als Gesellschaft mit beiden Arten von KI auseinandersetzen“, so seine Forderung. Die Politik laufe der Realität derzeit noch hinterher; dabei ist auch die Politik von den Entwicklungen im Bereich der KI nicht ausgenommen (Stichwort Social Bots und Beeinflussung von Wählern). Bedenklich ist das vor allem vor dem Hintergrund, dass Länder wie die USA und China drohen, uns im Bereich der KI schon jetzt den Rang abzulaufen.

Chinesen auf der Überholspur

Sven Schmeier war gerade erst in China und kann von Forschungsbedingungen berichten, von denen wir in Deutschland zum Teil nur träumen können. „Die Chinesen fahren gerade Vollgas“, so Schmeier in Hinblick auf die Investitionen, die China in die KI-Forschung steckt. 700 Milliarden Euro habe allein Chinas Hauptstadt Peking zuletzt im Bereich KI umgesetzt. Chinesische Universitäten und Forschungszentren locken Wissenschaftler mit Jahresgehältern und Forschungsbedingungen, die Deutschland wie ein „Billiglohnland“ aussehen lassen. Die Bundesregierung sieht Künstliche Intelligenz als eine der Schlüsseltechnologien in Deutschland und will die Forschung auf diesem Gebiet fördern. „Wir wollen Deutschland zu einem weltweit führenden Standort bei der Erforschung von künstlicher Intelligenz machen“, heißt es im aktuellen Koalitionsvertrag. Derzeit schauen wir neidisch auf China, die USA oder auch Israel. Dabei hat Deutschland das Zeug, ganz vorne mitzuspielen. „In der Grundlagenforschung ist Deutschland spitze“, sagt Wissenschaftler Schmeier. Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass wir auch bei der Anwendung von KI zur Weltspitze gehören.

 

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4 Comments so far:

  1. Harry Feltes sagt:

    Es wird nichts so heiß.gegessen wie es gekocht wird! Just my 2 Cents to this!

  2. Sven Schmeier sagt:

    700 Mrd Euro wurden in 2017 in Peking umgesetzt, nicht investiert 🙂

  3. Harry Feltes sagt:

    Sorry für die etwas lapidare und eher unqualifizierte Aussage eines Freidenkers der manchmal froh ist das er nur solange es unbedingt nötig war die Schulbank gedrückt hat, um die eigene Inteligenz dazu zu benutzen einfach Dinge anzupacken und zu erledigen. Egal was es auch war, es gab immer eine Lösung für ein unlösbar zu scheinendes Problem im Laufe all meiner Jobs in denen ich seit dem 18. Lebensjahr
    gearbeitet habe. Es ging los als Radio und Fernsehtechniker im Saarland beim Betrieb Nr1 dem Vorreiter des Expert Leasingmodelles und zuletzt als Senior Avid Enterprise Administrator und Consultant und Teambuilder bei der russisch finanzierten internationalen video Nachrichtenagentur Ruptly, die es galt in nur 4 Jahren zu einer ernst zu nehmenden Instanz im politischen Weltgeschehen zu machen. Wer also Fragen hat die zu lösen sind, immer her damit, ich helfe gerne, oder wie der Engländer sagt: I like to support!

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