Fundstück der Woche: Der digitale Wald

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Fundstück der Woche: Der digitale Wald

On Juli 4, 2018, Posted by , In Fundstück, By ,,,,, , With No Comments

Der deutsche Wald. Unesco-Weltkulturerbe, Lebensraum für Millionen Tiere und Pflanzen und bald Spielwiese für die KI-Forschung? Die Berliner Forschungsgruppe terra0 arbeitet an einem Konzept eines völlig autonomen Ökosystems.  In der Zukunft könnten Wälder sich selbst verwalten, Daten über Baum- und Tierbestand erheben, anhand von Satellitenbildern kranke Bäume erkennen, mithilfe von Drohnen dort Saatgut verteilen, wo es nötig ist, und durch den Verkauf von Holz Geld bzw. Krypto-Coins einnehmen. Mit den Einnahmen finanziert der Wald den Förster oder Jäger, die sich um die Aufgaben kümmern, für die noch echte Manpower notwendig ist. Der Wald der Zukunft organisiert sich selbst und interagiert durch Smart Contracts (Blockchain-basierte Verträge, die keine menschliche Überwachung benötigen) mit seiner Außenwelt z.B. mit der Stadtverwaltung oder Saatgutherstellern.

Natur und Technologie im Einklang?

Natur und Technologie im perfekten Einklang, so stellen sich die drei Gründer von terra0 den Wald der Zukunft vor. „I like tot hink of a cybernetic forest filled with pines and electronics where deer stroll peacefully past computers as if they were flowers with spinning blossoms“, heißt es auf der Website der Forschungsgruppe. Gestartet ist terra0 als Kunstprojekt an der Berliner Universität der Künste. Paul Seidler, Paul Kolling and Max Hampshire, die Köpfe hinter terra0, fragten sich in ihrer englischsprachigen Forschungsarbeit „Can an augmented forest own and utilise itself?“. In der Startup-Szene wurde das Projekt schnell bekannt, doch Investoren für ihre Idee fanden Seidler, Kollging und Hampshire keine. Ein Test-Waldstück stellte sich schnell als zu klein heraus, um sich wirklich zu rentieren. Neben technischen Fragen (wie viele Daten sind für eine effektive Bewirtschaftung eines Waldstückes notwendig?) sind vor allem rechtliche und moralische Fragen noch offen. „Mit dem Konzept eines augmentierten Waldes, der sich selbst verwaltet, provozieren wir eine völlig neue Debatte zwischen naivem Technikglauben und mythischem Naturbegriff,“ so Paul Kolling auf sueddeutsche.de. Ein Wald, der sich selber verwaltet und sich wenn nötig selber abholzt? Das finden viele Menschen ziemlich befremdlich. „Richtig aggressiv“ würden einige Menschen auf das Projekt reagieren, sagt Kolling in dem Artikel. Vielleicht ist auch etwas zu viel Technik-Utopie, was die Entwickler von terra0 der ohnehin schon skeptischen Bevölkerung in Deutschland zumuten. Wo wir uns doch gerade erst an die Idee gewöhnt haben, in der Industriefertigung und vielleicht bald im Straßenverkehr auf KI-Systeme zu treffen. Aber im Wald? Dort, wo wir Natur und Tierwelt in ihrer ursprünglichsten Form und fernab von Großstadtlärm zu uns selbst finden (wollen)? Das geht dann doch Vielen zu weit.

Flowertoken

Richtig umsetzen lässt sich das Waldprojekt von terra0 derzeit noch nicht. Aber warum nicht mal über völlig neue Ideen nachdenken? Wer hätte vor wenigen Jahren geglaubt, dass wir bald mit unseren Uhren sprechen oder Mails mit Chatbots austauschen (und das nicht mal merken!)? Derzeit läuft bei terra0 ein Forschungsprojekt mit dem Namen Flowertoken. In ihren Büroräumen züchten sie Freesien, die als Token in einem Etherum-Netzwerk erworben und gehandelt werden können. Um einen Flowertoken zu erwerben, braucht man nur einen PC oder Laptop, Meta Mask (eine Browsererweiterung, die wie eine Art digitale Geldbörse funktioniert) sowie Ether (die Cryptowährung des Netzwerks Etherum). Zum nächsten Geburtstag dann Token statt Blumen?

Mehr zum Thema

https://www.wired.de/collection/tech/forstwirtschaft-blockchain-wald-terra0-0

https://digicult.it/news/terra0-la-foresta-aumentata-indipendente/

http://networkcultures.org/moneylab/2016/09/29/terra0-the-self-owning-augmented-forest/

 

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