„KI ist eindeutig auch ein Wettbewerb der verschiedenen Wertesysteme“

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„KI ist eindeutig auch ein Wettbewerb der verschiedenen Wertesysteme“

Deutschland soll zu einem weltweit führenden Standort für Künstliche Intelligenz werden. So klar und eindeutig, so ambitioniert und weitreichend ist das Ziel der KI-Strategie der Bundesregierung.

Richtig so, denn KI entwickelt sich zunehmend zu einem der wichtigsten Treiber für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Wir haben also viele Gründe, unser Land zum Tabellenführer in der KI zu machen: wirtschaftliche, arbeitsmarktpolitische, gesellschaftliche. Und eben auch: ethische.

Denn auch dies ist ein zentrales Thema im internationalen Wettbewerb um die Technologieführerschaft in der KI: Wie schaffen wir es, unser Wertegerüst zu erhalten? Die Antwort ist ganz einfach: Wer vorne ist, setzt die Standards. Wenn wir technologisch oben in der Tabelle stehen, setzen wir auch unser Wertesystem durch.

Dabei gibt es zwei entscheidende Fragen. Erstens: Wie kommen wir an Daten? Ohne Zweifel brauchen Systeme Künstlicher Intelligenz große Datenmengen, um zu lernen und sich stetig zu verbessern. Für die Konkurrenz aus China ist das recht einfach. Sie nehmen sie – verkürzt gesagt – den Bürgern einfach weg. Die USA sind durch die unglaublich großen Mengen an Daten, gerade im Consumerbereich, ohnehin im Vorteil. Und auch dort nehmen ethische Fragen keinen so großen Raum ein, wie das bei uns in Deutschland der Fall ist.

Die zweite Frage lautet: Was darf die KI mit diesen Daten tun? Entscheidungen, die Menschen intuitiv treffen, trifft eine Maschine vorbestimmt. Sie braucht dafür einen moralischen Kompass. Der Verkehrsunfall ist ein beliebtes Beispiel: Wenn ein Fahrer in einen Unfall verwickelt wird und beispielsweise die Möglichkeit hat, durch Ausweichen ein entgegenkommendes Auto mit vier Erwachsenen Insassen zu treffen oder zwei auf dem Fußweg spielende Kinder, wird er in Millisekunden intuitiv etwas entscheiden. Es findet keine Abwägung von Argumenten statt. Ein autonom Fahrendes Auto wäre auf solche Fälle vorbereitet. Das heißt aber auch: Menschen müssen zuvor für einen solchen Fall entscheiden, wie das Auto agieren soll. In der internationalen Konkurrenz sind hauptsächlich wir es, die sich über solche Fragen Gedanken machen. Das ist gut und richtig so. In der Enquete-Kommission des Bundestages werden wir auch dies zu einem entscheidenden Thema machen.

Der internationale Wettbewerb in der KI ist eindeutig auch ein Wettbewerb der verschiedenen Wertesysteme. Der technische Fortschritt entscheidet also darüber, wer seinen Kompass durchsetzt. Wir sollten uns nicht mehr damit aufhalten, über das für und wider von KI zu diskutieren, denn sonst sind die Konkurrenten zu weit vorne und wir kaufen nur noch deren Systeme ein – gemeinsam mit ihren Vorstellungen von Ethik und Moral.

Die Bundesregierung hat mit ihrer KI-Strategie einen wichtigen Schritt gemacht. Jetzt müssen alle Beteiligten die Strategie schnell und effizient umsetzen.

Gastbeitrag von:

Andreas Steier ist Mitglied des Deutschen Bundestages und Mitglied der KI-Enquete-Kommission des Bundestages.

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